Generaldirektor Wolfgang M. Heckl (li.) und Hans-Joachim Schulze (Infineon Technologies AG) präsentieren den Transistor Nr. 9 – einer der ersten funktoinsfähigen Transistoren – und einen Nachbau.

Das Deutsche Museum hat heute ein kleines, aber doch bedeutsames Stück Technik-Geschichte als Dauerleihgabe von der Firma Infineon erhalten. Der Transistor Nr. 9 wurde in den berühmten Bell-Laboratorien hergestellt, gelangte im Jahr 1952 zu Siemens in München. Von heute an ist das unscheinbare elektronische Bauteil Bestandteil der Ausstellung “Mikroelektronik” im Deutschen Museum (Ebene 3). Der kleine Ausstellungsbereich bietet einen Ausblick auf die künftige große Dauerausstellung “Elektronik” ab dem Jahr 2020 im Deutschen Museum.


Transistoren, verschiedene Bauformen
Foto: Benedikt Seidl

Ohne Transistoren würde kein elektronisches Gerät unserer Tage funktionieren (oder jedenfalls auf anderer technischer Grundlage). Transistor stecken in millionenfach in unseren Geräten. Heute in der Regel nicht mehr als einzelne Transistoren, sondern als Bestandteil hochintegrierter Schaltungen. Alle basieren auf diesem von vielen als “genialste Erfindung” des 20. Jahrhunderts angesehen elektronischen Bauteil: dem Transistor.

Die ersten funktionierenden Transistoren konnten im Jahr 1947 von Wissenschaftlern der “Bell Laboratories” in den USA gebaut werden. Einer dieser ersten Exemplare, gekennzeichet als 9. einer ersten Serie, gelangte 1952 in einer Streichholzschachtel und versehen mit einem handschriftlich erstellten Datenblatt nach Deutschland.

Viel Jahre galt er als verschollen, erst im Jahr 2006 war er wieder aufgetaucht. “Dieser Transistor ist ein wichtiges Dokument der Technologiegeschcihte und ein wichtiges Exponat für das Deutsche Museum”, freute sich Generaldirektor Wolfgang M. Heckl und erklärt: “Ohne den Transistor gäbe es die Elektronik, wie wir sie heute kennen, nicht. Ohne diesen Transistor Nr. 9 hätte es zu diesem Zeitpunkt auch keinen Aufbau der deutschen Halbleiterindustrie gegeben!”

Generaldirektor Wolfgang M. Heckl (li.) und Hans-Joachim Schulze (Infineon Technologies AG) präsentieren den Transistor Nr. 9 und einen Nachbau.

Nun ist der Transistor also im Deutschen Museum zu bestaunen. Das freut auch Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon. “Er war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Mikroelektronik in Deutschland. Von speziellen Transistoren bis hin zu hochintegrierten Mikrochips, die unser tägliches Leben erleichtern. Damals wie heute sind Halbleiter von entscheidender strategischer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und ein wesentlicher Baustein für ein besseres Leben!”

Video: Hans Schultheiß

Das neue Ausstellungsstück hat eine spannende Geschichte. Wie der Transistor nach Deutschland kam, ist schon eine Art Technologie-Krimi. Im Jahr 1952 war der Transistor Nr. 9 als der erste seiner Art in die Bundesrepublik gesandt worden, in einer zeitgenössischen Streichholzschachtel. Diese neue Technologie war damals noch kaum bekannt, kaufen konnte man Transistoren damals noch nicht, elektronische Geräte wurden mit Elektronenröhren betrieben.
Aber schon Ende 1952 wurde entschieden, in München eine Halbleiterfabrik zu bauen (späterer Standort: Balanstraße). Die ersten bei Siemens ab 1953 hergestellten Transistoren sahen den Bell-Transistoren zum Verwechseln ähnlich und Siemens wurde zu einem führenden Halbleiter-Unternehmen.
Der Transistor Nr. 9 aber war über viele Jahre verschollen und tauchte erst im Jahr 2006 wieder auf: Ein langjähriger Siemens-Mitarbeiter im Ruhestand hatte ihn bei sich zu Hause aufbewahrt, präsentierte ihn dann seinen staunenden ehemaligen Kollegen und übergab ihn dem Historischen Archiv der Fa. Infineon.

Das Deutsche Museum hat nun einen kleinen Bereich in der jetzigen “Mikroelektronik”-Ausstellung (auf der Empore direkt über dem Bereich “Informatik”) eingerichtet, dort kann nun der Transistor Nr. 9 zusammen mit anderen wichtigen Elektronik-Exponaten besichtigt werden. Der kleine Bereich soll einen Ausblick geben auf die künftige Dauerausstellung “Elektronik”, die im Jahr 2020 eröffnet werden soll.