Traditionelles Geldbeutelwaschen im Münchner Fischbrunnen

Den eigenen Geldbeutel im Fischbrunnen zu waschen ist ein alter Münchner Brauch, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Waren es früher die Dienstboten, die am Aschermittwoch ihre leeren Geldbeutel im Fischbrunnen auf dem Marienplatz wuschen – und zwar um auf Ihre Geldnot und auf die Notwendigkeit höherer Entlohnung hinzuweisen -, so sind es heute Münchens Oberbürgermeister und der Stadtkämmerer, also Dieter Reiter und Dr. Ernst Wolowicz. Sie wollen durch diese Tradition sicherstellen, dass die kommunale Kasse auch heuer gefüllt bleibt.

Wer in München zugezogen ist, wird – in aller Regel – von den Alteingesessenen auf diese Tradition hingewiesen und mit etwas Glück sogar auf den Marienplatz beordert – oder mitgeschleppt. Die politische Stadtspitze, Mitglieder der Schicki-Micki-Gesellschaft (aber nur wenige) echte und zugereiste Münchner treffen sich dort, und auch heuer war dies wieder so.

Bei Freibier und Blasmusik wuschen also OB Reiter und Stadtkämmerer Dr. Wolowicz ihre und der Stadt Geldbeutel durch symbolisches Eintauchen – und hatten eine rechte Freude dabei. Und die Prominenz aus der Stadtgesellschaft tat es ihnen gleich, wie auch auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus dem ehrenamtlichen Stadtrat – sowie im Anschluss an diese … die Münchnerinnen und Münchner selbst. Wen die kühlen Temperaturen nicht hinderten, der – oder die – kam nicht nur wegen des Freibiers. Immer mehr Münchnerinnen und Münchner haben’s Geldbeutelwaschen tatsächlich nötig – hoffend, dass der Beutel sich nicht leeren möge – und so herrschte dann auch ein entsprechender Andrang am Fischbrunnen.

OB Dieter Reiter: „Auch wenn‘s nicht bewiesen ist, dass der Brauch wirklich hilft – geschadet hat er jedenfalls noch nicht. Deshalb probieren wir’s jedes Jahr wieder und ich drücke die Daumen, dass es was bringt.“ Hoff ma’s, Glaube versetzt bekanntlich Berge.