Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis 2018
Foto: © Deutscher Menschenrechts-Filmpreis/Oliver Gerhatz (bearbeitet)

Am Samstagabend wurde in der Nürnberger Tafelhalle der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen. Vor mehr als 500 Gästen aus Politik, Kirchen, Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft wurden die sechs PreisträgerInnen geehrt. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ist in jeder Kategorie mit 2.500 Euro und einer individuell gestalteten Statue dotiert. Damit fand die elfte Wettbewerbsrunde ihren Abschluss und vorläufigen Höhepunkt.

Im Wettbewerbszeitraum zwischen April und August 2018 waren 382 Produktionen eingereicht worden, die sich mit der ganzen Bandbreite menschenrechtlich relevanter Themen befasst hatten. Dabei nahm der Themenbereich Vertreibung/Flucht – Ankommen in Europa/Deutschland bzw. Integration von Geflüchteten erwartungsgemäß eine zentrale Rolle ein. Darüber hinaus hatten sich die FilmemacherInnen nahezu allen gesellschaftlich Fragen gestellt: kulturelle bzw. sexuelle Identität, Meinungs- und Pressefreiheit, Zwangsarbeit und Lohnsklaverei, Menschenhandel oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bürgerkriegsgebieten.

„Die Hoffnung, dass es immer weniger Gründe gibt, sich mit Menschenrechten zu befassen, weil diese nun allgemeine Anerkennung und Beachtung finden würden, erfüllt sich leider nicht. Menschenrechte stehen nach wie vor weltweit unter Druck und müssen immer wieder verteidigt werden. Deshalb erleben wir mit 2018 erneut einen starken Wettbewerbsjahrgang, der sich durch Beharrlichkeit, Intensität und Weitsicht der FilmemacherInnen in der Behandlung ihres Themas auszeichnet. Die Filme ermöglichen dabei einen unverstellten Blick auf die Situation der Menschenrechte in Europa und Deutschland – etwa wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung oder die Ungleichbehandlung von Geflüchteten geht. Die vorgelegten und nun prämierten Produktionen zeichnen sich immer durch eine eindeutige Haltung und Positionierung der RegisseurInnen aus“, so Marko Junghänel, Gesamtkoordinator des Wettbewerbs.

Für die Preisverleihung, die von Christoph Süß moderiert wurde, hatte Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., die Schirmherrschaft übernommen und war als Festredner in die Nürnberger Tafelhalle gekommen. In seiner Festrede betonte er: „Ich freue mich, dass es so engagierte Künstlerinnen und Künstler gibt, die ihr Können in den Dienst der Menschrechte stellen. Denn Film – Kunst – findet andere Türen in unsere Seelen als das politische Argument. Wir wollen und müsen diese Anregungen aus der Kunst im Sinne des politisch Wirksamwerdens einsetzen und fördern.“

Zum 20-jährigen Jubiläum des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises, der 1998 erstmals vergeben wurde, konnte auch Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, begrüßt werden. Sie dankte in ihrer Laudation den PreisträgerInnen für ihr herausragendes filmisches und damit zugleich gesellschaftliches Engagement. Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly betonte in seinem Grußwort die Bedeutung Nürnbergs als Stadt des Friedens und der Menschenrechte im Hinblick auf die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenrechte. Es gäbe eine Vielzahl etablierter Veranstaltungen, die die Brücke bauten zwischen dem Wissen und dem Handeln, so wie es der Deutschen Menschrechts-Filmpreis tue.

Die sechs PreisträgerInnen nahmen die Ehrungen dankbar entgegen und zeigten sich beeindruckt von der Initiative und Gestaltungskraft des Veranstalterkreises des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises. Übereinstimmend betonten sie, dass ihnen mit diesem Preis insofern eine besondere Ehrung zuteilwird, weil der bundes- und europaweit renommierte Preis von unabhängigen Organisationen getragen wird. Das mache ihn im besonderen Maße glaubwürdig.

Die Preisverleihung setzte ein glanzvolles Finale der Wettbewerbsrunde. Wolfgang Niedecken rahmte die zweistündige Preisverleihung musikalisch. Niedecken, selbst Träger des Beethoven-Menschenrechtspreises, engagiert sich seit Jahren für Menschenrechte – im Besonderen durch ein eigenes Projekt, das Kindern und Jugendlichen im Kongo hilft, die durch kriegerische Auseinandersetzungen traumatisiert sind. Er unterstützt Initiativen wie den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis, der dazu beiträgt, Unrecht in der Welt sichtbar zu machen und Veränderungen einzufordern.

Nach der Preisverleihung wurden fünf der sechs Preisträgerfilme im Rahmen einer „Nacht des Menschenrechts-Films“ in der Tafelhalle gezeigt. Den Abschluss findet die Jubiläumsausgabe des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises am Sonntag (09.12.). Um 11.00 Uhr wird im Nürnberger Casablanca Filmkunsttheater der Spielfilm „STYX“ von Wolfgang Fischer gezeigt. Fischer nahm am Samstagabend für diesen Film den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis in der Kategorie Langfilm entgegen.

Die Preisträgerfilme gehen nun auf eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und werden in öffentlichen und kostenlosen Screenings gezeigt. Start der Tournee ist bereits am 12. Dezember in München (Hochschule für Fernsehen und Film). Die nächste Wettbewerbsrunde wird im April 2020 starten – dann wird zum 12. Mal der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ausgeschrieben.

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ist ein unabhängiger Medienwettbewerb. Insbesondere bestehen keine inhaltlichen Abhängigkeiten zu staatlichen Akteuren, Branchenverbänden oder Unternehmen der Medienwirtschaft.
Der bundesweit aktive Filmwettbewerb wird aktuell von 21 Organisationen der Zivilgesellschaft gestaltet, finanziert und durchgeführt. Die Zusammenarbeit erfolgt in Form einer Arbeitsgemeinschaft engagierter Einzelpersonen und Institutionen – ohne Vereins-, Verbands- oder Stiftungsstruktur.

Zu den Trägern gehören Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit, konfessionell geprägte Organisationen, Gewerkschaften sowie Wohlfahrtsverbände und kommunale Einrichtungen. Sie sind geeint im Ziel der Achtung und Wahrung der Menschenrechte.

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